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Tobias Kühner ist neuer Amateur-Weltmeister!

Die SKler sind auch international mit von der Partie. Während Manon und ich im letzten Sommer in Sizilien am Start waren, traten dieses Jahr Kathrin sowie Tobias uns Jörgen in Kos in Griechenland an.

Tobi konnte hierbei sensationell WELTMEISTER werden.

Hier der Bericht von Jörgen:

Von Jörgen Kühner am 17.05.2017

Tobias Kühner - Amatuer-Weltmeister

Vom 6. – 15. Mai fand auf Kos/GR die 6. ACO Schachweltmeisterschaft statt. Spielort war das exklusive 5-Sterne-Hotel „Helona Resort“ der Hilton-Gruppe.

Die Organisatoren dieses schachlichen Mega-Events sind die Herausgeber der „Rochade-Europa“.

Das Turnier wird in 7 verschiedenen Leistungsgruppen von TWZ 0 – 2400 ausgetragen, jeweils in 200er-Schritten abwärts. Es waren insgesamt 314 Teilnehmer aus 30 Nationen aller Erdteile angemeldet.

So starteten wir am 6.5. um 05.00 h von Frankfurt zu unserer Mission „Ziel Podestplatz“.

Für beide war es die dritte Teilnahme in Folge, Tobias in Gruppe D, ich in Gruppe E.

Tobias war auf Platz 19 von 88 TN der Setzliste eingestuft und bezwang seinen deutschen Auftaktgegner mühelos nach weniger als 30 Zügen. In Runde 2, diesmal mit den weißen Steinen, hatte er es mit einem Gegner aus dem zahlenmäßig starken norwegischen Kontingent zu tun. Dieser kampfstarke Wikinger gab sich erst in aussichtsloser Lage geschlagen. Somit war der Auftakt mit 2 Siegen schon mal gelungen. Am Nachmittag des 2. Spieltages war dann ein junger Schwede der Gegner. Tobias verpasste nach starkem Königsangriff leider den Gewinnweg und ermöglichte starkes Gegenspiel. In sehr nachteiliger Stellung kämpfte er sich aber zurück in die Partie und konnte sie nach 75 Zügen remis halten. Damit waren nach dem ersten Drittel des Turniers 2,5 Punkte und ein Platz unter den Top Ten erreicht.

In Runde 4 war ein starker Franzose der Gegner. Mit Weiß spielte Tobias sein forciertes Angriffsspiel und konnte nach gut 3 Stunden Spielzeit das Brett als Sieger verlassen.

Am nächsten Tag war wieder Doppelrunde angesetzt. Dabei kam es in Runde 5 zum Topspiel am ersten Brett. Gegner aus Polen war der noch einzig verlustpunktfreie Spieler des Turniers. Diesen konnte Tobias mit einer wohl durchdachten Opferkombination überraschen und mattsetzen. Nun hatte er die alleinige Führung mit einem halben Punkt Vorsprung inne und am Nachmittag einen ihm wohlbekannten erfahrenen Slowaken als Gegner. Bis dieser endlich niedergerungen war, bedurfte es 70 Züge mit den weißen Steinen.

Zwei Turnierdrittel waren nun absolviert und dabei 5,5 Punkte eingefahren. Der nächste Tag war Ruhetag. Dieser wurde zur Gegnervorbereitung und zum nachmittäglichen Strandbesuch genutzt.

In Runde 7, mit Schwarz, war nun Udo Schneider vom SK Marburg der Gegner. Von diesem wusste Tobias, dass er sich akribisch auf jeden Gegner vorbereitet. Nun war erstmals etwas Unsicherheit zu spüren und er wollte von seiner „holländischen“ Erwiderung der Damenbauerneröffnung abweichen, um die gegnerische Vorbereitung ins Leere laufen zu lassen. So ergab sich ein abgelehntes Damengambit, indem Tobias bereits im 10. Zug ein erstes Remisangebot bekam, das er wegen unklarer Stellung am Nachbarbrett noch ablehnte. Dort spielte sein härtester Widersacher, der Pole aus Runde 5. Auf alle Anderen hatte er bereits mindestens einen vollen Punkt Vorsprung. Nachdem aber an Brett 2 relativ schnell remisiert wurde, willigte Tobias auch in das 2. Angebot von Udo Schneider ein und remisierte turniertaktisch. Der Vorsprung war gehalten.

In Runde 8 mit Weiß war nun ein starker Inder der Gegner. Nach einer schönen taktischen Kombination konnte er sich zwei zusammenhängende Freibauern erkämpfen, was seinen Gegner nach 50 Zügen zur Aufgabe zwang. Nach Beendigung der anderen Partien war der Vize-Titel gesichert. Ab Bekanntgabe der Auslosung zur letzten Runde begann am Nachmittag die Buchholz-Rechnerei. Theoretisch könnte am letzten Tag ja ein Remis zum Titel reichen …

Wenn man ab Turniermitte alleine führt und Brett 1 zum Stammplatz wurde, will man natürlich auch den WM-Titel. Nur wird Tobias in der für ihn ungewohnten Situation auch psychisch standhalten können?, war die Frage, die ich mir am Abend bei griechischem Wein öfter stellte.

Am Schlusstag mit Schwarz war nun ein Schweizer (Setzliste Nr. 2) der Gegner, der unbedingt gewinnen musste, um noch das Podium zu erreichen. Am Nachbarbrett konnte der Sieger noch Weltmeister werden. Also war volle Attacke angesagt und schnelle Remise ausgeschlossen.

Tobias ließ sich in seiner Spielart nicht irritieren und konnte jederzeit eine ausgeglichene Stellung halten. Nach Abtausch der Leichtfiguren probierte der Schweizer eine Gewaltattacke mit den Türmen, was Tobias zum Abtausch nutzte und ihm ein gewonnenes Bauernendspiel bescherte.

So hatte er sich unabhängig von anderen Ausgängen seinen WM-Titel mit 8/9 Punkten redlich selbst erkämpft. Das ergab auf dem Endtableau einen vollen Punkt Vorsprung in der zahlenmäßig stärksten Gruppe der Weltmeisterschaft. So blieb Tobias nun auch in seinem 27. WM-Spiel unbezwungen!

Ich selbst startete von Platz 21 der Setzliste ins Turnier der Gruppe E. Außer spannender Spielbeobachtung bei Tobias im Nachbarsaal kümmerte ich mich zeitweise auch um meine eigenen Brettprobleme, logischerweise immer im Zeitnachteil. Mein Turnierhighlight war die Begegnung in Runde 2 gegen den einzigen Australier bei der WM, den ich mit Weiß bezwingen konnte. Der weitere Verlauf war durchwachsen, immer Siege mit Weiß, immer Schwächen mit Schwarz, was ich fehlender Praxis zuordne. Zu meinem Erstaunen hatte ich vor der Schlussrunde jedoch noch die Chance auf Platz 3. Mein Gegner war ein Brite, der auch unbedingt gewinnen wollte. So duellierten wir uns fast 5 Stunden, bis ein Schiri-Protest meinerseits in nun verlorener Stellung abgewiesen wurde, weil er zu spät kam. Mein Gegner stellte in akuter Zeitnot die Notation mehrfach ein. Ich monierte das anfangs entgegen den Regeln nur beim Gegner. Leider wurde dieses unfaire Verhalten am Ende für ihn auch noch mit Platz 3 belohnt. Ich beendete das Turnier mit 5,5/9 auf Platz 15 von 54 TN in einem sehr engen Spitzenfeld. Für mich etwas unbefriedigend, da ich bei meiner ersten Teilnahme schon mal die Top 10 erreicht hatte.

Highlight am Abend war dann die folgende Siegerehrung, die durch eine namhafte Künstlerin von der Osterinsel aus Chile musikalisch eingeleitet wurde. Sie selbst war Spielerin im F-Turnier.

So endete ein unvergessliches Turnier in würdigem Rahmen, bei dem Tobias unglaublich viel Respekt, Würdigung, Anerkennung und Glückwünsche entgegengebracht wurden. Seine Souveränität am Brett und die bewiesene mentale Stärke wurden nach Auswertung mit über 100 Punkten DWZ-Zuwachs belohnt (neben dem Blechkelch auf dem Siegerfoto).
Leider konnte am nächsten Tag der „Siegerflieger“ der Lufthansa auf der zu kurzen Bahn in Kos zur Abholung nicht landen …

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2 Kommentare zu “Tobias Kühner ist neuer Amateur-Weltmeister!

  1. Markus W.

    Einfach sensationell, herzlichen Glückwunsch!

  2. Unglaublich MANN

Kommentare sind geschlossen.