Externe Turniere Verein

Fußball-Schachturnier in Reinheim zwischen Spaß und Ernst

Keine Frage, für welche Seite sich die Gernsheimer Seite entschied – körperliche Unterlegenheit sorgt für eine insgesamt schwache Platzierung im Fußball, konnte aber im Schach zumindest etwas wettgemacht werden

Bei der wohl leider letzten Auflage des Traditionsturniers in Reinheim am 16.06.19, bei dem die Mannschaften zunächst 12 Minuten (4 Feldspieler plus Torwart) in der Halle gegeneinander Fußball spielen um danach zweimal im Schach an sechs Brettern zu einem Blitzmatch anzutreten (5 Minuten Bedenkzeit pro Spieler und pro Partie, jeweils mit beiden Farben und nach der alten Regel, d.h. erster unmöglicher Zug verliert), erreichte unser junges Team einen Platz im Rahmen der niedrigen Erwartungen.

Dass wir Gernsheimer das Event todernst nehmen würden, war von Beginn an klar, und unsere Vorbereitung lief in der Tat (fast) optimal: unser bester Spieler, Tobi K., kam kurz vor der Abfahrt vom Abi-Ball nach Hause, und nutzte die Fahrt nach Reinheim um erstmal tüchtig auszuschlafen (20 Minuten). Dass sein beachtlicher Restalkohol nicht auch noch auf den Fahrer und dessen minderjährigen Beifahrer überschwappte, grenzte an ein Wunder. Da mit Tobi eigentlich ein anderer Abfahrtsort ausgemacht war, und entsprechend Verwirrung herrschte, kam darüber hinaus die Hälfte der Mannschaft erst 2 Minuten vor dem ersten Spiel bzw. erst kurz nach (!) dem Anpfiff. Für solche Kleinigkeiten wie Aufwärmen oder Taktikbesprechung blieb daher leider keine Zeit. Zu guter Letzt waren wir auch noch die einzige Mannschaft, die nicht nur ein, sondern ganze zwei Kids in Ihren Reihen hatte, während die anderen Mannschaften alle gänzlich aus Erwachsenen bestanden. So gesehen eigentlich ein kleines Wunder, dass wir im Fussball nicht Letzter, sondern doch immerhin Siebter von Acht Mannschaften wurden. Sehr ärgerlich war, dass gleich in den ersten Spielen zwei Siebenmeter (mehr gab es glaub ich im ganzen Turnier nicht) gegen uns gepfiffen wurden, obwohl die höchst debattierbaren Fouls teils weit außerhalb des Strafraums stattfanden. Alles in allem holten wir mit 3 Punkten (1 Sieg, 1 Unentschieden und 5 Niederlagen) wie gesagt im Fußball Platz 7 von 8., was eher etwas besser war als gedacht.

Hier noch die Spieler in der Einzelkritik:

Anne: unsere Torfrau war oft ein sicherer Rückhalt und an Ihr lag es mit Sicherheit nicht, dass wir so oft verloren haben. Zudem wurde sie bereits im zweiten Spiel bei einem Zusammenprall verletzt und blieb benommen liegen. Kam später unter dem tosenden Applaus der Zuschauer (2, Eintritt frei) zurück. An Brett 2 im Schach mit starker Leistung.

Carsten: war so etwas wie der Javi Martinez der Gernsheimer. Der Turm in der Abwehr, Dirigent im Mittelfeld und mit dem geschulten Auge für den Paß nach vorne. Leider zu Mitte des Turniers aufgrund Achillessehenproblemen nicht mehr einsetzbar. Und das trotz guter Worte der Mitspieler: ‚Auf komm Carsten, wenn das Ding reißt ist doch halb so wild, da Uwes Frau heute Notdienst in Worms hat…da kriegst du sofort ’nen Termin bestimmt!‘. Oder auch: ‚Ach was, das halbe Jahr Reha vergeht doch wie im Fluge…!‘ Schachlich gewohnt solide, wobei man ihm die mangelnde Spielpraxis manchmal anmerkte.

Christian ‚GM‘ B.: kam oft von der Bank und wechselte sich meist mit Uwe in der Abwehr ab. Hatte kämpferisch einiges zu bieten und versuchte, Abwehrlöcher zu stopfen. Kam mit zunehmender Turnierdauer besser ins Spiel. Im Schach kommt sein Spitzname nicht von ungefähr und so konnte er einige Favoriten schlagen.

Leonard: war unser Lewa vorne, aber gegen körperlich deutlich robustere Typen hat ein 12-jähriger natürlich wenig auszurichten. Dass es dann doch zu einem Tor (sogar dem 1-0) gereicht hat, war natürlich doppelt schön. Brachte von allen Gernsheimern den meisten Ehrgeiz mit und reagierte oft erbost bei Auswechslung, was zu hitzigen Debatten mit dem Trainerstab führte. Wird uns in 5-6 Jahren zum Turniersieg schießen. Holte im Schach hinten genau wie Lukas sehr ordentlich Punkte.

Lukas: unser anderer Nachwuchsstar wechselte sich mit Leonard ab. Interpretierte seine Rolle deutlich defensiver und entsprechend standen wir mit ihm stabiler, entwickelten aber auch weniger Druck nach vorne. Nach seiner Einwechslung haben wir einmal allerdings ein 0-3 in ein 2-3 gedreht und hatten durch Tobi noch einen Innenpfostenschuß, der uns beinahe noch einen Punkt beschert hätte. Im Schach ist Blitz ist nicht seine Stärke und so konnte er starke Stellungen oft nicht rechtzeitig konvertieren, was eine noch höhere Punktausbeute verhinderte.

Martin W.: kam meist über die linke Seite, wobei er gut mit Tobi K. harmonierte. Stark in der Ballbeherrschung. Seine gute Technik sowie seine Übersicht garantieren Ihm auch im nächsten Jahr einen Stammplatz. Holte im Schach gegen FM Vinzent Spitzl starke 1,5 aus 2.

Timbo: trug zwar ein Borowski-Shirt, agierte aber eher wie Marc ‚das Kampfschwein‘ Wilmots, sofern Ihr den noch kennt. Scheute keinen Zweikampf und war sowohl Zerstörer des gegnerischen Spiels als auch am eigenen Aufbau beteiligt. Verlagerte das Spiel oft schön. Im Schach mit Licht und Schatten gegen jedoch meist sehr starke Gegner.

Tobi K.: kam mit zunehmender Turnierdauer und abnehmendem Alkohol-Pegel besser ins Team und schoß dann fast alle unsere Tore. Bewegt sich irgendwie sehr seltsam, fast wie Hulk und  irgendwie sehr raumgreifend, aber überaus effektiv und erkennt potentielle Laufwege sehr früh. Ungemein schnell im Antritt. In dieser Form für jede Mannschaft unverzichtbar. Im Schach ließen wir Ihm jedoch wohlweislich nur geringe Einsatzzeit. Wechselt zur neuen Saison für 20 Mio. Euro ablösefrei nach Bickenbach zurück.

Uwe: mittelmäßige Leistung, wobei er mangelnde Technik mit ordentlicher Kondition wettmachen konnte. An den ersten Gegentoren mitschuldig, als er einige Male die quirligen und 20-Jahre jüngeren Gegner ziehen lassen mußte. Muß sich steigern, um nächstes Jahr nochmals in Teams zu rutschen. Schachlich immerhin mit >60% an Brett 1.

Im Schach lief es zumindest etwas besser, auch wenn wir vom DWZ-Schnitt her auch eher im unteren Tabellendrittel angesiedelt waren. Während die oberen Mannschaften mit Leuten jenseits der 2200 gespickt waren und einige Titelträger aufboten, lag unser DWZ Durchschnitt etwas unter 1700. Platz 6 war daher aller Ehren wert und mit 11 Mannschaftspunkten lagen wir nur sage und schreibe 3 Punkte weg von den starken Viernheimern, die auf Platz 5 landeten.

Fun fact of the day: Uwe wurde in der 5 Runde übelst und aus nächster Nähe fest in Gesicht geschossen und mußte benommen vom Feld gebracht werden. In den restlichen 6 Schachpartien holte er daraufhin…100% aller Punkte. Kommentar eines freundlichen Mitspielers: ‚Vermutlich ist in der Rübe erstmals im Leben alles gerade gerückt!‘. Wie wahr!

Laut den Veranstaltern war es das letzte Mal, dass dieses Event stattfand, was insofern Schade ist, als es zumindest mir als Erstteilnehmer sehr viel Spaß gemacht hat und auch von unseren Kids gab es ein ähnliches Feedback. Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt es nicht zuletzt an der stark gefallenen Teilnehmerzahl, dass es das letzte Mal war. Die gute Nachricht ist, dass sich zumindest in einem Nachbericht gelesen habe, dass sich eine andere Mannschaft überlegt, dass Turnier zu sich zu holen. Nur als Anregung: warum das Turnier nicht für junge Spieler/Spielerinnen öffnen, z.B. in dem nur Kids Tore schießen dürfen oder immer mindestens ein Jugendlicher auf dem Platz stehen muß? Wer zuletzt beim Jugend-Open in Gernsheim zu Gast war, der durfte erleben, daß in einer Runde ganze zwei Spieler über das Fussballspielen auf dem Bolzplatz die Karenzzeit Ihrer Partie verstreichen ließen – und kampflos verloren. Ergo: wem der Nachwuchs beim Fussball-Schach fehlt, der sollte ebendem die Turnierteilnahme erleichtern. Nur ein Vorschlag!

Zu guter Letzt und am aller wichtigsten: großen Dank an die Reinheimer für 20 Jahre Organisation eines tollen und über die Landesgrenzen bekannten Fussball-Schach Events! Danke & überlegt es Euch doch nochmal!

Print Friendly, PDF & Email

1 Kommentar zu “Fußball-Schachturnier in Reinheim zwischen Spaß und Ernst

  1. Grit Fischer

    Cooler Bericht, Uwe!!!👍

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.