2. Mannschaft

Großen Vorsprung knapp gerettet – die Zweite

Am 8. Spieltag ging es für die Zweite zu unseren alten Bekannten vom Verein SG Rödermark/Eppertshausen. Für uns ging weder nach oben noch nach unten wirklich viel, sodass wir sehr entspannt in den Wettkampf gehen konnten. Die Röepp’er brauchten aller Vorraussicht nach noch einen Mannschaftspunkt um alle Abstiegssorgen los zu werden. Wir kompensierten die Ausfälle von Carl (verhindert) und Uwe (in der Ersten festgespielt) mit Mai Linh und Felix.

Kurz nach Freigabe der Partien hatten Mai Linh (Brett 7) und ich (Brett 1) folgende Stellungen auf dem Brett:

Brett 7

 Brett 1

Unser beider Gegner, die zur Freigabe der Partien noch nicht anwesend waren, mussten die Macht unserer Eröffnungszüge gespürt und sich gedacht haben, dass sie jetzt gar nicht mehr zu kommen brauchen. Ich sag’s ja schon immer, mit Schwarz lässt sich kein gutes Schach spielen 🙂

Wie am letzten Spieltag konnten wir also mit einem komfortablem 2-0 Vorsprung für den Mannschaftskampf rechnen. Moment Mal, am letzten Spieltag waren wir doch nie 2-0 in Führung! Von daher ein Blick auf die Bretter um 15 Uhr, als Mai Linh und ich unsere Punkte einfordern konnten:

Brett 2: Udo Wolf – Jens Will

Weiß hat hier gerade mittels 11. a5 einen Bauern geopfert, um die a-Linie gegen den schwarzen König zu öffnen. Jedoch erscheint der Angriff von Weiß relativ langsam zu sein, sodass es hier einen kleinen Vorteil für Schwarz geben sollte.

Brett 3: Francesco Di Capua – Michael Bach

Franco’s Gegner hat ein frühes Remis angeboten, welches Franco aber seiner Natur gemäß ablehnte. Die obige Stellung entstand nach 16. Sf3 und es zeichnet sich aufgrund der aktiveren Figuren schon angenehmes Spiel für Weiß ab.

Brett 4: Christopher Bach – Markus Müller 

Markus hat für ihn untypischerweise einen frühen Vorstoß des b-Bauern gespielt, um den Schwarzfelder dann gegen den Springer auf c3 zu tauschen. In der aktuellen Stellung hängt der weiße Bauer auf e4, doch kann man den wirklich wegnehmen? Falls ja, hätte Schwarz trotz der mangelnden Entwicklung der Figuren und Sicherheit des Königs wahrscheinlich ganz gute Chancen, die Partie zu gewinnen. Die Auflösung gibt es später.

Brett 5: Markus Wilke – Frank Penzel 

Schwarz hat gerade 14. .. Lc6 gezogen. Ich gebe zu, nicht viel Ahnung von solchen Stellungen zu haben, aber der weiße Plan, mittels g4-g5 am Königsflügel einen Angriff zu starten, sagt mir doch sehr zu. Die Frage, die bleibt, ist, wie der schwarfeldrige Läufer auf c1 aktiviert werden kann. Tendenz unklar!

Brett 6: Andreas Kondziela –  Robin Fornoff 

Die Stellung entstand aus einem geschlossenen Sizilianer, doch die Bauernstruktur erinnert an spanische Abspiele. Robin hat gerade 10. .. e5 gespielt, um die Spannung im Zentrum zu verstärken und hier stellt sich wie in spanischen Eröffnungen auch die Frage, wer zuerst die Spanung im Zentrum auflöst.

Brett 8: Waldemar Geringer – Felix Hild 

Felix spielte sein Budapester Gambit. Obwohl ich die Eröffnung nicht wirklich kenne, kam mir diese Stellung schon sehr verdächtig vor. Felix wollte früh seinen Turm über a6 ins Spiel bringen, jedoch konnte weiß mittels Dd5 (greift den damals noch auf c5 stehenden Läufer an) und c5 schon sehr viel Raum gewinenn. Die Stellung ist auf jeden Fall angenehmer für Weiß zu spielen.

Fazit um 15 Uhr: 2-0 Führung und insgesamt sieht es eigentlich ganz gut aus!

 

Wir spulen mal ein bisschen vor und schauen uns Brett 4 an. Markus hat den Bauern auf e4 genommen, aber folgendes Abspiel nicht gesehen: 13. .. Sxe4 14. Lxe4 Lxe4 15. Dg4 Lg6 16. Lg5 f6 17. Sxe6! und die schwarze Königsstellung fliegt komplett auseinander. Kurze Zeit später musste Markus auch schon aufgeben

Stellung nach 17. Sxe6

Am Nachbarbrett hat Markus Wilke seinen Angriff mittels g4 gestartet, jedoch gab es dank einer guten Verteidigung von Schwarz keinen überzeugenden Durchbruch am Königsflpgel. Es wurde ein bisschen Material getauscht, aber das Problem des Schwarzfelders blieb bestehen, sodass das remis in der Endstellung in Ordnung geht

Remis nach 30. La2

Wenden wir uns nun dem Geschehen an Brett 2 zu

aktivieren 

Weiß hat in der obigen Stellung 15. c4 gespielt, um anschließend mittels b4 einen Bauernsturm am Damenflügel zu starten. Was beide aber nicht gesehen hatten, ist dass nach 15. .. dxc3 e.p. 16. Sxc3 das einfache 16. .. Db6+ dem weißen Angriff den Zahn zieht und die schwarzen Figuren sich entwickeln können. Kurz nach dieser verpassten Möglichkeit opferte Weiß noch eine Qualität, um seine restlichen Figuren zu aktivieren. Jens entschied sich dazu, in der entstehenden sehr komplizierten Stellung remis anzubieten, was sein Gegner auch annahm.

remis nach 20. .. Sxe5

Was bei der folgenden Analyse aber niemand gesehen hat, ist dass nach 21. Dxa7+ Kc8 22. fxe5 Lxb4! Weiß nicht mehr viel hat, um seinen Angriff fortzusetzen. In der Analyse dachten wir, Lxb4 scheitert an 23. Da8+ Kd7 24. Da4+, wir haben 23. .. Db8 einfach übersehen………. Ohne Lxb4 wird die Stellung aber auch schon sehr schwer zu halten für Schwarz, wie wir in der Analyse feststellten.

An Brett 8 spielte Felix in der bei der Zusammenfassung gezeigten Diagrammstellung 13. .. Tg6, nur um festzustellen, dass nach dem starken 14. f4! die schwarzen Figuren zurückgedrängt wurden. Um das zu verhindern, ließ Felix den Springer auf e5 einfach stehen und versuchte einen Gegenangriff mittels Dg5 zu starten, was uns zu folgender Stellung führt:

 17. Tf2

In dieser Stellung kann Felix mittels 17. .. Lxc5 18. Df4 Dxf4 19. Txf4 Txe5 seine Figuren aktivieren und erhält 2 Bauern für seine Figuren. Die Chancen, hier dann noch was zu erzielen, stehen dann wahrscheinlich nicht ganz so schlecht. Stattdessen spielte Felix 17. .. dxe5 18. Dd1 e4. Interessante Idee, den Schwarzfelder einzusperren, doch nach 19. Lh5 Tf6 20. Sxe4 kann Weiß sich befreien und die Mehrfigur zum Sieg führen.

Mittlerweile stand es also ausgeglichen 3-3, sodass die letzten beiden Bretter die Entscheidung bringen mussten. Bei Robin an Brett 6 hatte der Gegner sich dazu entschieden, die Stellung mittels d5 zu schließen, was Robin die Gelegenheit gab, die schwarze Diagonale a7-g1 zu öffnen und gegen den König zu spielen:

Der schwarze Plan besteht darin, mittels f5 die f-Linie zu öffnen und den Turm noch ins Spiel zu bringen, was einen tödlichen Angriff nach sich zieht. Weiß hätte hier 18. c4 spielen müssen, um den Bauer auf d5 zu unterstützen, der ansonsten schwach wird. Stattdessen spielte Weiß 18. b4 und wir finden uns 2 Züge später in folgender Stellung wieder

20. Ld3

Robin gewann mit 20. .. Dxf2 einen Bauern und fuhr die Partie anschließend einigermaßen souverän nach Hause. Er verpasste leider das direkte 20. .. f4, was die f-Linie zwingend öffnet und den Turm ins Spiel bringt. Der Springer auf f3 kann nie gut ziehen, da der Druck gegen f2 sonst zu grpß wird, und die Dame kann aus selbem Grund die zweite Reihe nicht verlassen.

So stand es also 4-3 und die Partie von Franco soillte die Entscheidung bringen.

In dieser Stellung spielte Schwarz 18. .. Sg4?, was nach 19. S3xg4 Lxg4 20. Te4! Df5 21. Tae1 zum Figurenverlust führt. Franco verpasste leider Tae1 und spielte stattdessen 21. h3, was nach 21. .. Lh5 22. g4 De6 23. gxh5 f6 24. Tae1 fxe5 25. Txe5 Df7 „nur“ einen Bauern gewann, welchen Franco mittels 26. h6 sofort zurückgab, um die schwarze Bauernstruktur zu schwächen

26. h6

Kurze Zeit später entstand daraus ein Turmendspiel, welches jedoch remis war, sodass wir den Mannschaftskampf mit 4,5-3,5 gewinnen konnten.

Damit ist uns nun gelungen, was vor 2 Jahren, bei unserem ersten Antritt in der Landesklasse, schon hätte geschehen sollen: Der souveräne Klassenerhalt!

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