Oberliga Verein

Erste siegt souverän aber knapp in Dotzheim – der Spieltagsbericht

Natürlich reisten wir als Favorit zum bisher sieglosen Team aus Dotzheim, die diese Saison den Abgang Ihres SPitzenbrettes zum Rivalen aus Heusenstamm verkraften mussten. Doch – wie so oft – auch ein Favorit muss seine Rolle erst einmal gerecht werden. Schon bevor es los ging, war hierbei einiger Sand im Getriebe. Frank R. hatte sich eine Famillieauszeit bei Glühwein und Bratwurst gegönnt, also sprang Blasko ein – oder auch nicht, denn leider stellte sich Freitags heraus, dass Blasko noch eine Woche länger an den Folgen seines Radunfalles laborieren musste. Also gut, neue Planung und schon stand Carl freitags als achter Mann fest. Alles klar also? Nein, noch lange nicht, denn Samstag morgen kam die nächste Hiobsbotschaft – Franks Auto war in der Werkstatt, kein alternatives Auto da – also was tun? Frank in Frankfurt abholen? Klaro, puh durchatmen, alles geklärt – jedenfalls bis mich dann in der Nacht von Samstag auf Sonntag der Magen-Darm-VIrus ereilte, was nicht nur keinen Schlag, viele Stunden auf der Toilette (ich gehe jetzt mal nicht weiter ins Detail, sonst brauch ich den Rest auch nicht mehr schreiben…), sondern auch den Umstand mit sich brachte, dass ich kein Auto fahren konnte. HIn- und her und schwuppsdiwupps, am Ende stand Manon als Fahrer und damit auch als Ersatzspieler fest und wir schafften es tatsächlich zu acht nach Dotzheim, wo wir leider feststellen mussten, dass die Gegner in ihrer Bestbesetzung antragen.

Das Doppelremis von Manon und mir an 2 und 8 wurde aufgrund Manons DWZ-Zahl von nur 1700 kurzerhand von den Gegnern als „Lächerlich“ (ein Nein hätte es auch getan) abgelehnt (was Manon und ich mich natürlich nur motivierte trotz geringer DWZ und Krankheit erst recht die Punkte zu holen) und so ging es dann auch schon mit den Partien los.

Was gibt es hierzu so zu berichten?

Die Eröffnungsphasen verliefen bei allen eigentlich recht unspektakulär.

Die interessanten Partie – zumindest in taktischer Hinsicht – wurden an den hinteren Brettern bei Peter und Frank gezeigt.

Peter hatte hierbei (wer jetzt überrascht ist – liest eindeutig zu wenig Berichte der Ersten) einen Franzosen auf dem Brett und wir waren uns auch recht sicher, dass es sich eine sehr ordentliche Variante für Schwarz handelte, Peter also sich einen gesunden Vorteil erspielen konnte. Beide hatten unterschiedlich rochiert, Peter war recht weit, die c-Linie offen, die Figuren des Gegners eher zurückgezogen. Doch weiß ließ sich auch nicht lumpen, spielte h4 nebst Th3, war also auch mit dabei im gegenseitigen Kampf um den König. Als Peter den Turm seines Gegners mit seinem Läufer angriff wurde er gleich zweifach überrascht. Er einmal ließ der Gegner den Turm stehen, im nächsten Zug opferte er gegen Peter anderen Läufer – ein Qualitätsopfer gegen Peter, böse Zungen sprechen von Majestätsbeleidigung.

Es folgt ein gewinnbrigender Angriff von Peters Gegner, der den Gewinn aber nicht brachte, weil Peters Gegner lieber das Dauerschach wählte. Gut, es war nicht so einfach, die Zeit nicht so toll – Glück gehabt.

Ihr könnt es euch nicht vorstellen ,was Peter und sein Gegner da so gemacht haben, dann schaut es euch einfach an. Hier die ganze Partie:

Schauen wir weiter bei Frank.

Frank hatte in folgender Stellung

gerade Sc3-d5 gespielt – eine Demaskierung (ein bißchen Fachsprache muss hier ja mal erlaubt sein; Für die Laien: „Buh, sprach der Läufer und bedrhte plötzlich den armen am Rande abgestellten Springer auf a5, als sein Kollege durch den Zug von c3 den Weg frei machte“.).

Eine gute Idee. DOch wie so oft im Leben, sind gute Ideen hinterher bei Lichte betrachtet doch gar nicht mehr so toll. Denn Frank übersah, dass sein anderer Springer, nämlich der auf f3 plötzlich kein Feld mehr hat und nach e4 war Frank also eine Figur hinten.

Was tut man in einer solchen Situation?! Aufgeben!? Nein, natürlich nicht. Frank ging erst einmal eine Rauchen, danach wurde mit viel Tatendran gegen den gegnerischen König gehetzt. Und tatsächlich, Frank erspielte sich folgende Positionen:

Hier gewann Th2, Kg4, Th4, Kxg2, nebst De1 und Matt. Dumm nur, dass Frank wohl De1 nicht gesehen hatte und daher auch TH2 erst gar nicht spielte. Nach Lf6 verlor Frank kurze Zeit später. Hier also leider eine Null statt der eingeplanten EIns, hätte durchaus besser laufen können unser Auftakt, zumal wir bei Manon aufgrund des DWZ UNterschiedes von 250 Punkten wohl eine Niederlage einplanen mussten.

Danach passierte erst einmal lange Zeit nicht mehr so viel.

Emery verpasste eine recht schöne Idee zum Aufbau von Gegenspiel, als er in folgender Stellung

den Zug b5 nicht spielte. Weiß hat seine Figuren etwas seltsam positioniert (zugegeben, auch die Schwarzen standen schon mal besser…), so dass der weiße Läufer sich nicht bewegen kann. Mit b5 zwingt man Weiß hier zu agieren, was genau passiert ist unklar, es lohnt sich, die Stellung mal zu analysieren.

Auch Manons Gegner, der sich eine druckvolle Stellung erspielen konnte, da Manons König sich partout weigerte, die Sicherheit in der ROchade zu suchen und wohl unbedingt – ganz der Demokrat – selbst am Spielgeschehen teilnehmen wollte. ES kam also zu folgender Stellung:

Jaaa, hier riecht es nach: Genau einem Opfer und zwar auf e6. Das ganze funktioniert recht einfach, der schwarze König findet kein Plätzchen, die Türme von Manon spielen nicht mit, es geht wohl sehr viel Material verloren. Manon hatte es gerechnet nur zu spät, der Gegner hatte es gar nicht gerechnet – auch gut.

Kommen wir also zum erfreulicheren Part: Ingo war an Bret 3 deutlich favorisiert in seine Partie gegangen. Er wurde dieser Favoritenrolle auch gerecht. Wenn Uwe mitliest, wird er gleich Tränen in die Augen bekommen angesichts der schlechten schwarzen Bauerstruktur. Die Bauern auf a6 und c6 und c7 sind ein einziger Trümmerhaufen. Auch e4 ist schwach und steht allein auf weiter FLur.

Aber wie weiter spielen: Schwarz will vermutlich auf g3 nehmen, um ungleichfarbige Läufer zu erreichen, denn das ist ja bekanntlich immer remis (ok, so einfach ist es dann doch nicht, aber die Remischancen werden natürlich durchaus erhöht). Aber wegziehen? Nach e2 und dann?

Ingo fand des Rätsels Lösung und spielte das starke Sxf5 nebst f3. Nach dem folgenden Lg5 kam Lxg5 nebst Dxg5. Hier nahm Ingo auf e4, was zu einem leicht besseren Endspiel für Weiß führt, was Ingo in bekannter Manier locker für sich entschied. BEsser wäre übrigens noch De2 gewesen, was letztlich Schwarz zu dem ungeliebten Tausch auf f3 zwingt und damit den gewünschten Doppelangriff auf c6 und f5 ermöglicht.

Hier konnten wir also einen Punkt einplanen.

Was war eigentlich unterdessen bei den anderen los?

Martin befand sich in einer Stellung, die ihm sicherlich Spaß zu machen sollte. Unterschiedliche ROchaden, offene LInien, Angriff – man musste nur den richtigen Weg finden, doch das war nicht so einfach:

Schwarz hat das berühmte „Schloss-Prinzip“ angewendet. Die Bauern g6 und h6 stehen g4 und h4 entgegen. WIll Weiß mit dem Zug h5 die LInien öffnen, dann spielt Schwarz g5 – dumm gelaufen also, alles bleibt zu. ALso spielt Weiß halt g5 – bringt halt leider nur auch nichts. Sprich, das Schloss-Prinzip ist sicher. ALso was tun? Tatsächlich wäre hier h5 dennoch ein guter Zug, denn er öffnet die Diagonale und schafft ein starkes Feld auf g6, was eventuell mal für die Figuren besetzt werden kann. Leichter Vorteil für Weiß.

Leider verfalchte die Partie zusehends, die endstehende Stellung mit Turm und ungleichfarbigen Läufern (huch, schon wieder diese alte Kamellen) ist sicher remis, doch tatsächlich gelang es Schwarz in folgende Stellung zu gelangen:

HIer folge das starke Le8, was tatsächlich zu einem Bauergewinn für Martin führte und noch die Läufer täuschte. Sehr schön 🙂

Dumm nur, dass Martin hier:

das gaaaaaaaaanz einfache Ta5 nicht spielte. Nach dem erzwungenen Tausch ist Martins Bauer schneller. Das wäre es gewesen, so musste man kneten – natürlich mit guter Tendenz.

Robert an eins hatte sich intensiv auf den Slaven des Gegners vorbereitet. Die gute Vorbereitung zahlt sich aus – vermutlich jedenfalls in der nächsten Slavisch Partie von seinem Gegner, denn am Sonntag gab es keinen Slaven sondern einen Nimzo-Inder. Aber gut, was solls, spielen muss man ja eh selbst. Und so entwickelte sich eine interessante Partie. Erst wurde der Damenflügel von Robert durch eine Doppelbauern lahmgelegt, dafür konnte sich Schwarz aber mit wenig Raum kaum befreien. Am Damenflügel passierte wenig und so schob sich nach und nach so ziemlich alles, was noch auf dem Brett war, auf den Königsflügel, Mit Mann und MAus, Kind und Kegel bzw. Türmen, Damen, Springern, Läufern und Bauern marschierte also alles rüber auf den gegnerischen König zu. Schwarz stand gleichwohl solide, die Stellung vermutlich war ausgeglichen:

Natürlich ist die Stellung angenehmer für WEiß, denn man hat viiiiiel Raum, um seine Figuren genau dahinzustellen, wo man sie haben will, während Schwarz die richtig sinnvollen Züge ausgehen. Schwarz wollte dieses Katz- und Maus- Spiel nicht mitspielen und entschied sich daher mit g6 seinerseits die Stellung zu öffnen. Das wiederum war keine so gute Idee, denn nach fxg, fxg und h5 steht Weiß deutlich besser.

Die Partie ist ganz interessant (spannender als meine, daher konnte ich den beiden auch viel vom Nachbarbrett auch zuschauen ;-)), wer also nachspielen will: Tatttaaa:

Robert gewann also am Ende auch, ebenso wie Ingo, was uns schon mal nach vorne brachte.

Von meiner Partie gibt es nicht allzu viel berichten. Ich hatte es wieder einmal mit einer Struktur aus einem Köningsindischen Angriff zu tun, Weiß hatte die typische Struktur (Bauer auf h4, Läufer f4 etc.) aufgebaut, während ich ein bißchen am Damenflügel operierte, auch wenn bei Weiß nichts krankte und es daher eigentlich auch nichts zu operieren gab. Nachdem Weiß seinen a-Bauern gewährlich weit nach vorne gespielt hatte, entschied ich mich dazu, einfach alles abzutauschen und dann mal zu schauen, ob der a-Bauern nun – wie wir im Training gelernt haben – ein potentieller Freibauer ist daher für mich eine Gefahr darstellte oder ob er – weil zu weit von seinen eigenen UNterstützern entfernt – nicht doch eine Schwäche darstellte, natürlic hoffte ich auf Letzteres. Tatsächlich ist folgende Stellung einfach remis:

Man könnte meinen, dass Schwarz den a-Bauern einfach erreicht, schließlich stehen König und Turm direkt daneben. Doch nach Ta5+, Tb5, d4+ Kc6, Ta4 hat man durchaus ein Problem. Wie kommt man an den Bauern, denn Weiß verteidigt sich immer mit Ta5. ALs ich mich angesichts der übrigen BRetter für die Zugwiederholung entschied und Tb8 (Idee: Kb5) spielte, verzichtete mein Gegner überraschend auf Ta5. Das wäre remis gewesen, denn Kb6 (deshalb ja Tb8) scheitert am starken Te5. Nun gut, mein Gegner spielte Kc3, es folgten Kb5 und Ta1 und nach Tc8 griff mein Gegner mit e4 nochmals daneben. Der Rest war dann einfach. Der Bauer auf b2 fällt, mein b-Bauer ist deutlich stärker als der e-Bauer des GEgners.

Manon hatte zwischendurch auch ein Turmendspiel erreicht. Das war allerdings kaum zu verstehen. Der Gegner hatte die Türme auf der siebten Reihe verdoppelt, drohte zum Teil fiese Matts (Drohung h4-h5-h6) nebst Matt.

Manon hatte aber alles gut verteidigt und dann am ENde sogar einen Bauern mehr. Gewinnen musste sie nicht mehr und war froh, Remis machen zu können. ABgesehen von einer Stellung hatte der Gegner wirklich nicht allzu viel raus geholt. 🙂

Auch bei Emery entstand ein Endspiel, nachdem im Mittelspiel nicht mehr allzu viel geschehen war. Hier war die Stellung durchaus etwas besser für Emerys Gegner. In folgender Stellung

hätte das ganz schöne Sg4 zum sofortigen Remis geführt. Stattdessen ging es noch etwas weiter, bis dann hier:

das schöne Sxf6 alle Zweifel beseitigte.

Martin war also der letzte, der noch spielte. AUch er machte wie Manon mit Mehrbauer:

… dann remis. Das ist wohl auch in Ordnung gewesen, auch wenn man das Endspiel vermutlich Stunden analysieren könnte.

Am Ende also ein 5 – 3 mit Licht und Schatten. Frank hätte einfach gewinnen können (was wohl angesichts des Verlaufes aber nicht unbedingt verdient gewesen wäre), Peter und Manon hätten verlieren können, dafür hätte natürlich Martin mit Ta5 auch einfach gewinnen können. Hätte, wenn und aber, alles egal. Das 5 – 3 geht schon in Ordnung, schön auch, dass Manon und ich tatsächlich 1,5 Punkte holten 🙂

Griesheim hat zum vierten Mal in Folge mit 4,5- 3,5 gewonnen. Mal gucken, wie es weitergeht.

Im neuen Jahr warten die sehr starken Hofheimer, die für mich nominell immernoch das stärkste Team sind, auch wenn sie nach vier Spieltagen noch keinen Sieg auf dem Konto haben.

Print Friendly, PDF & Email