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Wormser Nibelungen Open 2016 – ein Gastbeitrag von Steffen Heß

Am vergangenen Freitag startete das vier Tage andauernde und über 7 Runden gehende Nibelungen Open in Worms. Mit dabei von Gernsheim  und der dazugehörigen Truppe waren Yvonne im B-Turnier, Peter, Jens, Anne, Frank, Marco und Steffen (Gure an alle!) aus Groß-Zimmern im A-Turnier.
Als Jens mich nach Abschluss des Turnieres fragte, ob ich nicht den Bericht als Gastautor für die Homepage schreiben möchte, hab ich, wie man zweifelsfrei feststellen kann, zugesagt. Daher berichte ich euch mal von dem Turnier, seinem Verlauf für uns alle, dem merkwürdigen Schiedsrichter und dem ganzen drumherum. Ich fange chronologisch vorne an:

1. Tag – Freitag

Recht spontan und mehr durch Zuruf für das Open angemeldet, hab ich mich zur Fahrgemeinschaft mit Jens und co. verabredet. Also ging es recht früh am Freitag zusammen in einer kuscheligen Fahrt gen Worms, das einen, wie ich finde, sehr beeindruckend mit leider nur noch einem vorhandenen Torbogen empfängt. Der zweite der Rheinbrücke wurde im zweiten Weltkrieg weggebombt, aber kommen wir mal zum Punkt.
In Pfeddersheim, eine ehemalige Reichsstadt, die jetzt zu Worms gehört, angekommen, konnten wir auch gleich Marco begrüßen. Mit ihm haben wir uns dann nach geglückter viertelstündiger Rückmeldung beim Turnierleiter etwas warm geblitzt. Geplant waren 7 Runden schweizer System mit 90 Minuten Bedenkzeit für 40 Züge, dann 30 Minuten für den Rest. Dabei gab es noch pro Zug einen Zeitzuschlag von 30 Sekunden. Diesen Modus hatte ich persönlich noch nie gespielt und war angenehm überrascht davon. Da einige Sportsfreunde im Stau steckten oder sonst irgendwie nicht pünktlich erschienen, wurde das gesamte Turnier kurzerhand um etwa eineinviertel Stunden verschoben – wen juckt schon Karenzzeit. Das schlug sich schon etwas negativ auf die Stimmung aus, aber als es dann endlich mit einer sehr „elanvollen“ Rede des Schiedsrichters losging, sind Anne und Jens direkt gegeneinander gepaart worden. Dem aufmerksamen Leser dieser Zeilen mag die Ironie, die diesen Bericht ab und an schmücken wird, bereits aufgefallen sein. Jedenfalls trennten sich die beiden in einer für Anne besseren Stellung Remis, womit beide wohl gut leben konnten. Peter war am Ende der ersten Hälfte gesetzt und gewann recht souverän. Frank ebenso.

Peter in wichtiger Phase der Partie
Peter in wichtiger Phase der Partie

Marco hatte indes Probleme und musste auch sogleich die erste Niederlage nach vertaner Chancen einstecken. Zum Trost muss man allerdings sagen, dass sein Gegner, Richard Bethke, die Überraschung des Turniers werden sollte. Für mich gabs im A-Turnier einen 2200er und ein Remis, was nicht verkehrt zum Anfang ist. Yvonne hat im B-Turnier ihre erste Runde als Favoritin auch souverän gewonnen, was ihren Ambitionen den Damenpreis zu gewinnen unterstrich.

Marco beim Nachdenken
Marco beim Nachdenken

2. Tag – Samstag

Zum zweiten Tag gab es dann auch zwei Runden zu spielen. Yvonne hat die erste Partie morgens für sich entscheiden können, musste dann aber schon an zwei spielend die Waffen strecken. Trotzdem waren 2 aus 3 ein zufriedenstellender Start.

Yvonne am Brett
Yvonne am Brett

Im A-Turnier gab es für mich gegen den mehrfachen Pfingst-Jugendopen-Sieger Roland Ollenberger erst mal nach einem Patzer auf den Deckel, ehe ich meine zweite Partie mit Mühe und Not gewann. Frank bekam es durch seinen Sieg mit dem jungen GM Jacek Stopa zu tun und half ihm mit einem Punkt zum späteren Turniersieg. Dafür hat er in der Abendrunde wieder voll zugreifen können und war wie Yvonne und Peter mit 2 aus 3 gut unterwegs. Peter hatte zwei 2200er und auch zweimal remisiert, wobei einmal beinahe noch ein volles Pünktchen dabei rumgekommen wäre. Jens hat nach dem Remis gegen Anne zunächst gewonnen und dann weit vorne spielend Federn gelassen.

Jens in kritischer Situation
Jens in kritischer Situation

Anne hat, und den Satz werde ich noch einige Male wiederholen müssen, ihren Vorteil in beiden Partien noch gegen Niederlagen eingetauscht. Fehlt nur noch Marco, der mit einem Remis und einem Sieg sich wieder nach vorne bugsierte. In der Zwischenzeit sei erwähnt, dass der an 61. gesetzte Richard Bethke (ich kannte ihn nicht, aber nach meinem Wissenstand ist der kleine um die 11 Jahre alt und hat eine DWZ um die 2000) nach drei Runden alleiniger erster mit drei Punkten war (!). Weder GM Teske, noch GM Stopa oder irgendein anderer Titelträger hat das geschafft. Krasses Ding wie ich fand, zumal der Kleine auch einen soliden Gegnerschnitt von 2180 in dem Moment hatte.
Zu Beginn jeder Runde wurden wir auch immer vom Schiedsrichter, der die Aufmerksamkeit aller durch kräftiges Blasen ins Mikrofon auf sich zog, daran erinnert, wie man Schachuhren startet. Lustigerweise war der Kerl nie im Turniersaal aufzufinden, wenn es Probleme mit dem Modus oder den Spielern der vorderen Bretter gab – und die gabs des Öfteren (Ich will keine Namen nennen, aber Titel trugen sie schon immer). So endete auch der zweite Spieltag.

3. Tag – Sonntag

Die Nacht war kurz, die Fahrt dank Baustellen lang – so gings dann zur vierten Runde ans Brett bei mir. Ich hab zweimal remis gespielt, einmal glücklich, einmal unglücklich. Das gleicht sich also aus und zufrieden war ich bis dahin auch mit meinen 50%. Jens hat ebenfalls 50% nach 5 Runden gehabt, wobei allerdings eine Niederlage gegen Gunter Hain und ein Sieg gegen Daniel Lopez zu Buche stand. Beim mittaglichen Dönerteller schien er recht zufrieden damit zu sein. Anne hat ihren ersten Sieg eintüten können, um dann eine bessere Stellung wieder zu verhunzen und leider mit anderthalb Punkten den letzten Turniertag abzuwarten. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade mal einen halben Punkt von der zweiten Dame im Turnier entfernt und konnte sich noch gute Chancen auf den ersten Damenpreis machen.

Anne in erneut guter Stellung
Anne in erneut guter Stellung

Frank hatte die erste Runde verloren und die zweite, einen Abtauschfranzosen, gewonnen. Da ich neben Frank saß, konnte ich die Partie verfolgen in der Schwarz beide Läufer für Franks Springer gab um dann zu sehen, dass sich die Rochade wegen einem Läuferopfer verbietet. Frank hat dann mit deutlichem Entwicklungsvorsprung und dem Läuferpaar dem in der Mitte stecken gebliebenen König schnell den Gar ausgemacht. Eine Musterpartie für Leute, die lernen müssen, dass Entwicklung sehr wichtig ist.

Frank mit Musterpartie
Frank mit Musterpartie

Im B-Turnier lief es geteilter maßen für Yvonne. Während sie nach der ersten Niederlage samstags wieder zur Spitzengruppe mit einem Sieg stoßen konnte, verlor sie die Abendpartie und war wieder im Mittelfeld angelangt. Mit dem Damenpreis sah es bei 3 Punkten aus 5 Partien noch gut aus – Yvonne war zu diesem Zeitpunkt alleinige erste der Damenwertung. Marco und Peter haben dagegen nochmal richtig aufgedreht. Marco konnte zweimal gewinnen und war dann, trotz des Ausrutschers in der ersten Runde mit dreieinhalb Punkten weit vorne dabei. Peter hat gewonnen und einmal Remis gemacht, was ihn ebenfalls auf dreieinhalb Punkte gehoben und vorne hat mitspielen lassen. Der letzte Tag wurde also durchaus spannend ausgelegt:

4. Tag – Montag:

Aus mir bislang nicht bekannten Gründen hat Frank das Turnier noch vor der sechsten Runde abgebrochen. Sein Gegner bekam dadurch den vollen Punkt zugesprochen und der war niemand geringeres wie Richard Bethke. Der Tag davor lief für ihn nicht mehr so gut. Er war gegen GM Teske und Fedor Dushatskiy denkbar knapp zweimal unter die Räder gekommen. Er beendete das Turnier trotzdem mit starken 5 Punkten.
Genug der Randnotizen. Jens und ich haben unsere erste Runde remisiert, in der zweiten wurden wir gegeneinander gelost und haben das Remis natürlich bis zum 16. Zug und einer knappen Dreiviertelstunde ausgekämpft. So hatten wir beide 50%, nach der Runde eine Menge Spaß im Analyseraum und Ruhe für den Rest vom Tag. Marco hat seinen starkes Spiel nicht wiederholen können und zweimal verloren. Er beendete also auch mit 50% das Turnier. Bei Yvonne lief es im B-Turnier sehr unglücklich. Mit zwei Niederlagen zum Schluss gab es nicht mal mehr was in der Damenwertung zu holen. Anne hat zwei mögliche in einen halben Punkt umgewandelt und konnte so in der Damenwertung den zweiten Platz ergattern. Peter musste zwar in der letzten Runde seine einzige Niederlage einstecken, konnte aber FM Guntram in der ersten Runde besiegen, welcher daraufhin das Turnier abgebrochen hat. Das bedeutete für Peter zum Ende ganze 4,5 Punkte und den 8ten Platz in der Gesamtwertung. Erster wurde er in der Wertung der Spieler mit einer DWZ unter 2100.
Nach einer erneuten Wartezeit von ca. 1,5 h nach Ende der letzten Partie konnten auch die Sieger geehrt werden. Den Wormser war nämlich zu diesem Zeitpunkt erst eingefallen, dass am Tag der deutschen Einheit die Banken zu hatten und sie ja für Geldpreise auch Bargeld brauchten. Irgendwie haben sie es dann noch requiriert und in Umschläge verpackt bekommen, wobei noch so mancher Preis beinahe übergangen worden wäre. Trotz des Feiertages wurde die deutsche Nationalhymne nicht gesungen, aber der Schiedsrichter tröstete die Sieger und die noch des Anstands wegen dagebliebenen Schachfreunde mit einem, meiner Meinung nach völlig unangebrachten und über Schachspielerinnen abwertendes Gedicht.

Fazit:

Wie soll ich das Turnier bewerten? Aus der sportlichen Sicht war es für uns alle sehr durchwachsen. Ich denke mal, es hat alles beinhaltet was ein gutes Schachturnier braucht. Siege, Niederlagen, ausgekämpfte sowie nicht ganz so ernst ausgekämpfte Remise, Spannung, Überraschungen, viel Witz und viele neue nette Gesichter, aber auch die nicht mehr ganz dichten Spieler. Der Modus war, zumindest für mich, neu und angenehm und meinen Spaß hatte ich alle mal.
Aus der organisatorischen Sicht war das Turnier eines der schlechteren, die ich besucht habe. Ich kann mir gut vorstellen und nachempfinden, dass sowas einen Haufen Arbeit macht und man an viele, auch kleine aber wichtige Dinge denken muss (Wann hol ich Geld von der Bank für die Preise sei als Beispiel genannt), aber summa sumarum waren da einige Punkte nicht auf dem Niveau umgesetzt, wie es Turniere und deren Leiter sonst umsetzen, die ich besuche. Trotzdem will ich das Nibelungen Open nicht abschreiben, es hat wie gesagt Atmosphäre und alles, was ein Schachturnier braucht, um den eigentlich des Spielens wegen angereisten Schachfreund zu begeistern.
Ich möchte zum Schluss nochmal an die lustige Truppe, mit der ich die vier Tage verbringen durfte, meinen Dank richten. Das können wir gerne mal wiederholen.

Steffen sieht ganz zufrieden aus
Steffen sieht ganz zufrieden aus

Steffen Heß

Alles Infos zum Turnier gibt es unter: http://www.worms1878.de/

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2 Kommentare zu “Wormser Nibelungen Open 2016 – ein Gastbeitrag von Steffen Heß

  1. Karsten Hilsheimer

    Sehr schöner Gastbeitrag – kannst Du gerne wiederholen! 😉

  2. Glückwunsch an dieser Stelle auch an Peter, der durch sein starkes Turnier wieder gaaaanz knapp an seine beste DWZ aller Zeiten rankommen dürfte…

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