2. Mannschaft

Saisonabschluss der Zweiten Mannschaft endet mit einem Sieg in Weiterstadt

Vor dem letzten Spieltag stand unsere Meisterschaft in der Starkenburgliga und damit auch der Wiederaufstieg in die Landesklasse bereits fest. Da unsere Gegner aus Weiterstadt bisher auch eine überraschen starke Saison gespielt hatten und sich in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt hatten wurden an diesem Sonntag keine wirklich relevanten Entscheidungen gefunden. Für beide Mannschaften ging es um einen sauberen Saisonabschluss, ein paar DWZ-Pünktchen und einen möglichen Motivationsschub in Zeit der Ligapause aber die der großen Schachturniere. Vor zwei Jahren waren wir bereits einmal in genau der gleichen Situation und verloren damals unser letzten Saisonspiel noch in Breuberg, dieses Mal sollten wir es Weiterstadt besser machen und mit weißer Weste bei 18:0 Mannschaftspunkten eine überzeugende Saison abschließen. 

 

Trotz beidseitigem Fehlen von jeweils einem Stammspieler gab es glücklicherweise keine kampflosen Partien. Bei uns durfte Vanessa das erste Mal überhaupt in der Zweiten Mannschaft antreten und zeigen, was sie schon alles gelernt hatte. Bei den Gegnern trat ebenfalls ein Ersatzspieler an und an Brett acht fand ein Duell zweier gleichstarker Spieler mit Höhen und Tiefen statt. An den restlichen Brettern, mit Ausnahme von Brett zwei, waren wir überall favorisiert und hatten somit eine gute Ausgangsposition. 

Franco an unserem ersten Brett kam in eine normale Eröffnung mit einer geschlossenen, ruhigen Stellung. Besonders viel habe ich nicht gesehen, aber ich glaube ich habe dabei auch nicht so viel spannendes verpasst in den ersten zwei Stunden.

Mehr los war an Brett zwei bei Markus, der gegen den stärksten Weiterstädter antreten musste. Es wurde früh schon eine ganze Menge getauscht und während andere erst den Namen der Eröffnung realisierten, in der sie sich befanden, war bei Markus schon ein Endspiel am Laufen. Dabei hatte jeder Turm und sechs Bauern, Markus hatte zwei Läufer gegen zwei Springer. Entscheidender Vorteil für den weißen Gegner war allerdings die bessere Bauernstruktur mit drei zu zwei Überzahl am Damenflügel und den aktiveren Figuren. Die Stellung versprühte nicht besonders viel Zuversicht, aber Markus hat ja schon des Öfteren bewiesen, dass er sich in Ruinen besonders gut auskennt und noch den ein oder anderen Geheimgang findet um einen Hinterhalt zu legen. Der kam natürlich auch und sah für Markus in etwa so aus: „Ich greife jetzt ganz unauffällig den ungedeckten gegnerischen H-Bauern an und….ok, kein und. Das ist der Plan!“ Gesagt getan, den Bauern mit dem Läufer angegriffen. Der Gegner war wenig beeindruckt davon spielte einen anderen Zug worauf hin Markus ohne zu zögern und in voller Euphorie über die erfolgreiche Umsetzung dieses großmeisterlichen Manövers den Bauern schlug. Allerdings hielt der Glücksmoment nicht besonders lange an, ungefähr 20 Sekunden (10 davon hat der Gegner darauf verwendet den Zug zu notieren und nochmal 10 für die Ausführung seines eigenen Zuges), bis der Gegner seinen Turm auf die H-Linie stellte und zwei ungedeckte Läufer auf dieser aufspießte. Ohne realistische Chancen gegen die materielle Übermacht des Gegners gab Markus auf und sorgte so für den ersten Punkt des Tages. Ob es da schon 10Uhr war?

Der Große, Kevin also, spielte wie üblich an Brett drei und kam mit Weiß in eine offene Stellung, die zwar nicht besonders scharf war aber trotzdem leicht vorteilhaft für ihn. Es dauerte zwar 18 Züge bis er den Gewinnplan mit f4 spielte, aber immerhin hat er ihn gezogen! Leider liefen die weiteren Abwicklungen nicht mehr so gut weiter, es wurde viel Material getauscht und das Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einem Springer sah ausgeglichen aus. Kevins Gewinndrang war so stark, dass er wohl etwas übereifrig ein starkes Feld für den gegnerischen Springer auf f5 schuf und einige Zeit später feststellen musste, dass der Springer von dort einiges an Ärger machen kann. Viel Gewinnpotential bot die Stellung nun nicht mehr für Kevin.

An Brett vier spielte ich und war recht froh, dass ich nicht gegen meinen „Angstgegner“ Dirk Tucholke spielen musste. Dafür kam ich mit Schwarz in einen „Sniper“ und die zurückhaltende Spielweise meines Gegners gab mir recht früh Ausgleich. Gegen Ende der Eröffnung konnte ich meinem Gegner einen isolierten d4-Bauern zufügen und hätte mit einer vollständigen Kontrolle über d5 angenehmes Spiel bekommen. Allerdings schockierte mich mein Gegner mit einem Läuferopfer auf f7, welches den Partieverlauf deutlich anders aussehen lassen sollte als von mir geplant. Nach dem Läufer konnte mein Gegner allerdings eine Qualität gewinnen sodass es unter dem Strich ein Tausch von Turm + Bauer gegen Läufer + Springer wurde. Aufgrund der nach wie vor besseren Figuren (und nun auch deutlich in der Überzahl) hatte ich eine leicht zu spielende Stellung. Die gegnerischen Türme hatten keine Linien zum Spielen und das schwache Zentrum des Gegners erlaubten es mir, meine Figuren weiter zu aktivieren und die gegnerischen Türme weiter einzuschränken. Die Computeranalyse gibt mir für die Stellungsbewertung bereits +2,5. So gut hatte ich die Stellung damals noch nicht eingeschätzt, aber gut war sie definitiv und viele Fehler konnte ich auch nicht machen. Wenig später schoss mein Gegner noch einen taktischen Bock und stellte einen Bauern ein. Dabei wurde noch etwas Material getauscht und der freigewordenen Platz kam mir noch weiter zu Gute sodass ich das Ganze nur noch nach Hause bringen musste.

Robin an Brett fünf hatte an den letzten Spieltagen bisher wenig Glück gehabt und wollte unbedingt für Schadensbegrenzung sorgen und die Saison mit einem vollen Punkt beenden. In einem geschlossenen Sizilianer konnte Robin mit Weiß seinem Gegner früh einen Doppelbauer auf der d-Linie zufügen und mit f4-f5 Druck auf die gegnerische Stellung ausüben. Es wurde einiges an Material getauscht und Robin konnte dabei weitere Schwachstellen in der schwarzen Stellung offenbaren, die wenig später auch zu einem Bauerngewinn beim Übergang in ein gleichfarbiges Läuferendspiel führten. Dabei war auch noch ein gegnerischer isolierter Bauer auf der Läuferfarbe festgelegt Mit diesem gesunden Vorteil gab es nur noch zwei mögliche Ergebnisse, Remis oder Sieg für uns. Ich denke Robin hätte seinen Vorteil noch ausbauen können indem er auf dem Königsflügel die Bauern attackiert, stattdessen schloss Robin die Stellung. Leider war das die falsche Entscheidung, da sein Gegner mehr oder weniger forciert 2 Bauern tauschen konnte und den weißen Mehrbauen blockiert hatte. Da Robins Läufer in diesem Moment auch noch abgeschnitten war gab es eine Remisstellung. Das Ergebnis lautete aber am Ende aber doch anders…

Brett sechs war am Sonntag nicht wie üblich von unserem Topscorer Markus W. besetzt (er hatte irgend eine „kindische“ Ausrede) sondern vom aufgerückten Carl. Dort entstand auch eine typisch carl´sche Stellung in der Figurenentwicklung nicht den höchsten Stellenwert besitzt. So stand z.B. sein Läufer auf c8 extrem stark, weil er die wichtigen Bauern d7 und b7 decke, 20 Züge lang etwa, vielleicht auch 25. Dafür wird aber gerne schon mal der wichtige f7-Bauer vor dem kurz rochierten König ins Schlachtgetümmel geschmissen und auch temporär Figuren (also etwa die einzig entwickelte Figur zu diesem Zeitpunkt) geopfert die mit Zinsen zurück geholt wurden. Zum Glück sind wir noch alle so jung (durch den Tausch von Markus gegen Vanessa ist das Durchschnittsalter bestimmt nochmal um 3 Jahre gesunken), das Herzinfarkte noch nicht zu erwarten sind, aber in 30-40 Jahren würden die Mannschaftskollegen wohl reihenweise umfallen, wenn sie diese Stellungen sehen würden. Es sei denn man ist das ganze gewohnt und weiß, dass Carl meistens auch noch Pläne hat das ganze wieder zu korrigieren (so wie Markus M., nur bei Carl lief es gut). Nun die positiven Dinge: Der Gegner konnte keinerlei Vorteil aus der Stellung ziehen und stellte taktisch einen Bauern ein, der einen Großteil des weißen Drucks ausmachte. So konnte sich Carl dann in aller Ruhe entwickeln und sich eine solide Stellung erarbeiten. Eine positionell ungeschickte Aufstellung des weißen Königs führte zu noch mehr Problemen im weißen Lager und Carl konnte einen zweiten Bauern gewinnen, woraufhin weiß nun kein Zentrum mehr besaß und Carl zwei Freibauern hatte (auf e6 und d7).

Andi an Brett sieben ließ den Tag ruhig angehen. Mit 20 Minuten Zeitvorsprung für den Gegner ging es dann los, wobei die ruhige Stellung immer sehr ausgeglichen war. Leichtfiguren sind zum Tauschen da, Schwerfiguren zum Spielen, also wurde entsprechend gehandelt. Viele Bauern auf dem Brett schränkten allerdings die Optionen stark ein und Andi konnte keinerlei Vorteil erlangen.

Ersatzspielerin Vanessa konnte ihre Nervosität gut verbergen und fand gut in ihre Partie. In einem hochtaktischen Gemetzel mit 43 hängenden Figuren (auf jeder Seite) und dazu noch vielen herumstehenden Bauern behielt sie den Überblick und erreichte eine leicht bessere Stellung. Ein Remisgebot wurde abgeschmettert und die Kriegshörner wurden erneut geblasen. Wenig später konnte sie nach einem Damentausch einen Bauern und wenig später eine Qualität gewinnen. Mit dem großen Vorteil ging es in ein Endspiel und zu diesem Zeitpunkt war Vanessas Stellung jene, die uns am ehesten noch einen Punkt versprach!

 

Eine ganze Reihe von Ergebnissen gab es dann gegen ca. 13Uhr, als Andi, Kevin und auch Franco remisierten. Bei allen drei Partien war nicht mehr so viel los und die Gewinnchancen standen an andere Brettern besser für uns, weshalb keinerlei Not zum Risiko bestand. Kurze Zeit später konnte Robin gewinnen und zum 2,5:2,5 ausgleichen. Sein Gegner gab seine Remisstellung auf und ließ Robins König in die schwarze Stellung endringen. Unter Zugzwang wurden Bauern getauscht was Robin aber zwei unaufhaltbare Freibauen einbrachte. Der auf der Gegenseite entstandene Freibauer wurde blockiert und Robins Gegner musste aufgeben!

 

Die nächste Vorentscheidung fiel an Brett acht, allerdings leider zu unseren Ungunsten. Vanessa stellte leider einen ganzen Springer und musste in der Folge mit einem Turm gegen zwei Figuren und einen Freibauern kämpfen. Leider sah dies nicht besonders vielversprechend aus. Die Folge war, dass Carl und ich beide gewinnen mussten wenn noch ein Sieg herausspringen sollte.

Ich konnte meine Stellung immer weiter verbessern und unter dem Druck der aktiven Figuren konnte ich in ein deutlich besseres Endspiel mit Läuferpaar + zwei Bauern gegen Turm abwickeln. Nach wenigen Züge sah dann mein Gegner auch die Hoffnungslosigkeit seiner Situation ein und gab auf.

Bei Carl wurde es auch immer besser. Der Materialvorteil ging noch mit aktiveren Figuren einher und aufgrund der dadurch entstehenden taktischen Möglichkeiten musste sein Gegner die Waffen strecken. Unser Sieg war damit gesichert, gespielt wurde nur noch an Bret acht.

Dort konnte Vanessa sich leider nicht mehr von dem Einsteller erholen und musste sich gegen kurz nach 13Uhr geschlagen geben. Aber es war eine tolle Leistung von ihr in der sie beste Chancen hatte zu punkten. Am Ende bleibt immerhin die längste Partie in dem Mannschaftskampf und die kommende Einladung zur gernsheimer Sportlerehrung aufgrund der aktiven Teilnahme am Aufstieg in die Landesklasse.

 

Weiterstadt I

 

SK 1980 Gernsheim 2

3,5:4,5

 

Lang, Micha

 

Di Capua, Francesco

0,5:0,5

 

Diehl, Werner

 

Müller, Markus

1:0

 

Klemens, Manfred

 

Mao, Kevin

0,5:0,5

 

Adamczyk, Matthias

 

Will, Jens

0:1

 

Gelitz, Jürgen

 

Fornoff, Robin

0:1

 

Tucholke, Dirk

 

Werring, Carl

0:1

 

Helfenstein, Ulf

 

Wasserrab, Andreas

0,5:0,5

 

Mayer, Hans

 

Nguyen, Vanessa

1:0

 

   

 

 

 

Am Ende der Saison stehen also 18:0 Mannschaftspunkte bei 46,5 Brettpunkten. Das sind 2 Mannschaftspunkte mehr als vor 2 Jahren aber auch 4,5 Brettpunkte weniger. Überraschend ist das nicht, wir haben viele Spiele nur knapp gewonnen, sowohl vom Verlauf als auch vom Ergebnis her (der letzte Spieltag gehörte aber in die souveräne Kategorie), aber wir sind trotzdem verdient aufgestiegen. Erneut wichtiger Grundstein für den Erfolg ist unsere Konstanz, mit welcher wir die Spieler ans Brett bekommen. Insgesamt haben wir über die Saison (mit Ausnahme des ersten Spieltages gegen unsere Dritte Mannschaft) nur an 6 Brettern nicht mit Stammaufstellung spielen können. Einmal habe ich in der ersten Mannschaft ausgeholfen, Carl sowie Andi haben jeweils 2 mal pausiert und Robin war einmal kurzfristig nicht dabei, auch musste Markus W. einmal aussetzen. Bei uns haben Franco und Kevin alle 9 Spieltage gespielt, Markus M., Markus W., Robin und ich jeweils 8 Partien. Dabei kam uns zu Gute, dass der Bedarf an Ersatzspieler für die erste Mannschaft primär aus der Dritten gedeckt wurde, der dieses Jahr aber sowieso nicht besonders hoch war. In der Saison blieben Markus W., Carl und ich ohne Verlustpartie, Topscorer war Markus W. mit 7/8 Punkten. Die höchste Leistung spielte ich. „Kampfloskind“ der Saison war Markus M., der einmal kampflos verlor und drei Partien zuschauen musste aufgrund fehlender Gegner.

An der DWZ-Entwicklung sieht man aber auch, dass wir keine herausragende Saison gespielt haben sondern uns im Rahmen der Erwartungen bewegen. Die vorläufigen Entwicklungen sehen so aus, dass wir in Summe der Mannschaft 25 Punkte verloren haben die sich wie unten sichtbar verteilen.

  

Spieler

Alte DWZ (Saisonbeginn)

Veränderung

Di Capua, Francesco

1912

-8

Müller, Markus

1834

+23

Mao, Kevin

2006

-16

Will, Jens

1956

+11

Fornoff, Robin

1926

-71

Wilke, Mrkus

1896

+12

Werring, Carl

1794

+31

Wasserrab, Andreas

1787

-7

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