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Böblingen 2015: Sieg gegen IM Grimberg, jede Menge neue Talente und fünf Punktgleiche am Ende

von Uwe Schupp

Böblingen am Ende des Jahres ist gute Tradition und das Turnier ist auch deswegen so beliebt (über 300 Teilnehmer in A-, B- und C-Turnier) weil es sehr intensiv mit 100% Schach ist. 4 Doppelrunden, wohnen und spielen im gleichen Hotel und ein recht enger Turnierraum lässt quasi gar keine andere Gedanken ausser Schach, Essen und Schlafen zu.

 

Wie von Maxi bereits erwähnt lief es schachlich in Böblingen ganz ok (1.5 aus 3 gegen Titelträger), wobei der schöne Positionssieg mit Bauernopfer und Gegenopfer in Runde 1 gegen IM Boris Grimberg (ELO 2350) sicherlich das Highlight war. Aus einem guten Turnier hätte ein Spitzenturnier werden können, sofern ich eine gewonnene und eine gute Stellung gegen die Jungstars Winterberg und Krause (beide um die 2300 schwer) nicht jeweils weggeworfen hätte.

Von den vielen Talenten, die in Böblingen traditionell mitspielen möchte ich den 12-jährigen Türken Kaan Kucuksari hervorheben. Mit einer ELO von gut 2000 (vorher) bzw. knapp 2100 (hinterher) ist klar, dass wir auf jeden Fall noch viel von ihm hören werden. Er hat reihenweise Titelträger geputzt, immer vorne an den Holzbrettern gespielt und war oft nur deshalb von Ferne zu erkennen, weil er mit den Füssen auf dem Stuhl sass. Gut zu erkennen war er auch immer am kleinen Pott mit Nüssen und Trockenobst neben dem Tisch.

Es gab 5 Co-Sieger mit je 7 aus 9, wobei von diesen insbesondere der junge FM Neef (TU Dresden) und die 18-jährige chinesische WGM Tingjie Lei zu erwähnen sind.

Spruch des Turniers kam vom Haudegen FM Horst Degenhardt (Lorsch). Ich hab ihn nach einer Partie gefragt, warum er mit einem Bauern auf c5 wiedergeschlagen hat, wonach dieser vereinzelt war (der andere steht auf a7), obwohl er auch mit der Dame oder mit dem Läufer ebendort hätte schlagen können. `Horst, der Bauer wird doch schwach im Endspiel, oder etwa nicht?`, warf ich ein. Darauf der erfahrene Titelträger: `Stimmt, awwer ohne den Bauer kommt der weisse Springer via d4 vielleicht nach b5 und du kommst erst gar net ins Endspiel`.

Wieder was gelernt. Aber nicht nur deswegen ist Böblingen jedes Jahr eine Reise Wert.